Text und Fotos: Pascal Viout
Pascal Viout ist ein französischer Art Director, der über zehn Jahre in Japan gelebt hat. Seine Arbeit umfasst Fotografie, Film und Markenführung – veröffentlicht unter anderem in Rouleur Magazine und Tokyo TDC. Biografie.
Es gibt Orte, die nicht darauf warten, entdeckt zu werden. Wakayama ist einer davon. Drei Tage. Ise, Yoshino, Koya – drei Namen, die wie ein Sutra klingen, drei Etappen durch eine Landschaft, die man weniger entdeckt, als wiedererkennt. Diese Wege hatte ich bereits überquert – 2018, in der Dunkelheit und Anstrengung der Japanese Odyssey, 2.700 Kilometer ohne Unterstützung von Süden nach Norden des Archipels. Ich hatte sie überquert, ohne sie zu bewohnen. Sie erneut anders zu befahren, bedeutete, ihnen endlich gerecht zu werden.
2021; Japan hatte seine Grenzen geschlossen, und diese Wege – bereits still, bereits alt – waren zu etwas Heiligem geworden. Unversehrt nicht aus eigenem Willen, sondern durch die Umstände. Es gibt eine Art von Stille, die nur die Abwesenheit erzeugen kann.
Einige Kilometer vor dem Pass, der nach Yoshino hinunterführt, gibt es ein Kissaten. Ein Café, wie Japan sie zu bewahren weiß – erstarrt, sich selbst treu, gleichgültig gegenüber der draußen vergehenden Zeit. Man drückt die Tür auf. Die Besitzerin ist allein. Der Raum ist leer. Und von einem alten Radio hinter dem Tresen singt Elvis. Sanft, ohne Ironie. Es gibt nichts zu sagen, was die Straße nicht schon gesagt hätte.
Hier zu fahren, bedeutet, eine gewisse Auflösung des Selbst zu akzeptieren. Die Anstiege sind lang, die Abfahrten vorsichtig, und die Einsamkeit ist nie bedrückend – sie ist rein, fast großzügig. Man spürt, dass der Wald bewohnt ist. Ein Rascheln, eine flüchtige Silhouette, etwas, das vorbeizieht. Die Tierwelt zeigt sich nicht – sie lässt sich erahnen.
Die Japaner haben ein Konzept – mono no aware – das bittersüße Bewusstsein der Vergänglichkeit. Nicht ganz Melancholie. Eher eine geschärfte Aufmerksamkeit. Hier, beim Radfahren in einem Wald, der sich nicht für Ihre Anwesenheit interessiert, kommt es ungebeten.
Am letzten Tag verließen wir Koya-san von unten. Das Tal öffnete sich, der Fluss erschien, und wir folgten ihm bis Wakayama City – das Geräusch kehrte langsam zurück, wie eine Erinnerung, die man nicht eilig hatte, wiederzufinden.














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